>     Wann ist ein Vogel zahm ?     <

 

Ein frei lebender Vogel läßt den Menschen bis auf einen bestimmten Abstand (Fluchtdistanz) an sich heran, dann fliegt er auf. Von diesem Verhalten bis zum völlig vertrauten Vogel, der sich freiwillig in der Hand auf den Rücken legt und sich kraulen läßt, ist es ein weiter Weg - und lange nicht jeder Vogel wird jemals so weit kommen!

Entsprechend gehen auch die Meinungen auseinander, wann ein Vogel als zahm zu bezeichnen ist.

Ist er zahm, wenn er

  • ruhig sitzen bleibt, wenn wir in der Voliere hantieren, um Futter zu geben
  • Futter aus der Hand abnimmt
  • vorsichtige Berührungen mit der Hand duldet, ohne zu flüchten oder zu beißen
  • auf die Hand steigt
  • uns von sich aus anfliegt und sich auf Arm oder Schulter setzt
  • das Kraulen genießt und keinerlei Scheu zeigt
  • uns ständig hinterher fliegt, an uns hängt und Geschrei macht, sobald er uns nicht mehr sieht.

Bis auf den letzten Punkt sind dies auch in etwa die Stufen, die beim Zähmen eines Vogels durchlaufen werden, wobei es vom Vogel und vom Halter abhängt, ob und in welcher Zeit welcher Grad der Zahmheit erreicht wird.

Auch sollte Zahmheit in der modernen Vogelhaltung, in der Papageienvögel nicht mehr allein, sondern mit mindestens einem Partner der gleichen Art gehalten werden, ein wenig zu Gunsten der Beobachtung der Vögel in den Hintergrund treten. Den Vögeln zuzuschauen, wie sie miteinander umgehen, sich kraulen und füttern, spielen, gemeinsam "Blödsinn" machen ist sicherlich angenehmer, als keinen Schritt mehr ohne die an einem hängende "Klette" tun zu können. Für die Vögel ist es ohne Frage besser.

Ein zahmer Vogel sollte dem Menschen vertrauen und ihn als zusätzliches Schwarmmitglied, willkommenen Spielkameraden und Futterbringer begreifen, aber niemals als Partnerersatz. Als Partner würden wir den Vogel schwer enttäuschen (oder lassen Sie sich von Ihrem Papagei füttern und sitzen nachts neben ihm auf der Schlafschaukel?). Es liegt an uns, die Grenzen der Zahmheit zu erkennen und zu setzen und für einen artgleichen Partnervogel zu sorgen.

 

Wie zähmt man Vögel ?

Nachstehend ist mitunter von "dem/einem Vogel" die Rede, das soll nicht bedeuten, dass die Anschaffung nur eines Vogels in Ordnung ist!

Ein Patentrezept gibt es dafür nicht, ebenso wenig wie einen Zeitplan!

Einige allgemeine Überlegungen seien dennoch erlaubt. Vögel weichen aus oder flüchten, wenn etwas Bedrohliches in ihre Nähe kommt und sie empfinden den Menschen und die sich ihnen nähernde Hand zunächst mal als bedrohlich. Er muss langsam lernen, dass von uns keine Gefahr ausgeht und es muss für ihn erkennbar sein, dass ihm die Nähe zu uns Vorteile bietet.

Vögel sind aber auch neugierig, besonders auf leckeres Futter in der Hand. ;-)

Neuankömmlinge erst einmal ganz in Ruhe lassen, damit sie ihren Käfig erkunden und als sicheres Zuhause begreifen können.

Im Zimmer einer normalen Beschäftigung nachgehen, ruhig mit dem Vogel reden, damit er die Stimme kennen lernt.

Sehr scheue Tiere auch ausreichend lange ganz allein lassen, damit sie in Ruhe fressen gehen können.

Abstand vom Käfig halten, am/im Käfig nur das wirklich Notwendige erledigen.

Den Vogel niemals bedrängen, die Annäherung kann man nicht erzwingen, der Vogel bestimmt, wie nahe die Hand kommen darf und beim geringsten Anzeichen von Angst oder ansatzweiser Ausweichbewegung sollten wir den Abstand wieder vergrößern. Sonst verstärken wir sein Empfinden der Bedrohung. Er weiß ja nicht, dass wir ihm nichts tun wollen.

Wenn der Vogel entspannt auf unsere Anwesenheit reagiert, können wir den Abstand zu ihm zentimeterweise verringern, leckeres Futter aus der Hand anbieten, usw. Immer bedenken - den Vogel nicht bedrängen, er bestimmt, wie nahe wir kommen dürfen.

Es ist Geduld erforderlich, ungeduldige Aktionen unsererseits verzögern das Zähmen. Der Vogel braucht seine Zeit, um Vertrauen zu fassen.

 

Oft wird empfohlen, sich erst nur einen Vogel anzuschaffen und erst dann, wenn er zahm ist, einen zweiten dazu zu holen. Vielleicht stimmt es, dass ein Einzelvogel sich schneller an den Menschen anschließt, denn Alleinsein scheint wirklich schlimm für Vögel zu sein.

Die Gefahr dabei ist, dass sich gerade ein junger Vogel, womöglich noch aus Handaufzucht, so stark an seine Bezugsperson anschließt, dass eine spätere Verpaarung schwieriger wird.

Bei Wellensittichen z. B. halte ich obige Empfehlung schlichtweg für unsinnig, Wellensittiche sind zu zweit wesentlich unternehmungslustiger und mutiger, sodass sie in Gemeinschaft eher bereit sind, Neues auszuprobieren.


Wenn Sie trotz viel Geduld und Zeitaufwand mit der Zähmung nicht so recht weiter kommen, hilft u.U. das  Clickertraining.

Auch zahme Vögel brauchen einen gefiederten Freund
Wir sollten nur zusätzliche Unterhaltung sein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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